
Öl auf Leinwand
66 x 89 cm
© Foto: Alte Nationalgalerie / Jörg P. Anders
Die Granitschale im Berliner Lustgarten, 1831
Ein technisches Meisterwerk
In Abstimmung mit dem Architekten Karl Friedrich Schinkel ist die Schale ursprünglich für die Rotunde des im Bau befindlichen Alten Museums gedacht. Der Findling aus den Rauenschen Bergen bei Fürstenwalde erweist sich dafür jedoch als zu groß. Unter der Leitung von Baurat und Hofsteinmetz Christian Gottlob Cantian wird der Schalen-Rohling vor Ort gemeißelt. Anschließend transportiert man ihn auf einem Kahn nach Berlin. In den nachfolgenden zwei Jahren wird die Schale mittels modernster Dampfmaschinen-Technik in einer Werkstatt nahe dem Museum geschliffen und poliert.
Die Granitschale im Berliner Lustgarten, 1831
Die Granitschale als optisches Phänomen
Diese Komposition schließt den Gemäldezyklus Hummels zur Berliner Granitschale ab. Der Künstler lässt sich von den vielen Schaulustigen inspirieren und kombiniert ihre Darstellung mit seinem Interesse an optischen Phänomenen. Wie eine Sammellinse nimmt die polierte Außenwand der Schale das Licht des sonnigen Tages in Spiegelbildern ihrer Umgebung auf. Die umstehenden Lustgartenbesucher sind, auf dem Kopf stehend, in einem panoramaartigen Rundbild am Schalenboden wiedergegeben.
Die Granitschale im Berliner Lustgarten, 1831
Magische Spiegelungen
Hummels künstlerische Arbeiten zeichnen sich durch nüchterne Sachlichkeit einerseits und durch eine eigensinnige, geistreiche, ins Transzendente gehende Detailfreudigkeit andererseits aus. Raffinierten Spiegelungen, räumlichen Verschachtelungen und magischen Beleuchtungen gilt sein besonderes Interesse. Ein Interesse, das viele mit ihm teilen, kommen doch gerade neue Medien wie Panoramen und Dioramen in Mode.
Die Granitschale im Berliner Lustgarten, 1831
Der Hofsteinmetz
Im Vordergrund links, neben einem Soldaten, betrachtet der Baurat und Hummel-Schüler Christian Gottlob Cantian, feierlich in Gehrock und Zylinder gekleidet, stolz sein Werk. Cantian hat sich auf die Bearbeitung von Granit spezialisiert und fertigt auf Bestellung des englischen Gesandten eine große Granitschale. König Friedrich Wilhelm III. verlangt daraufhin auch für Preußen eine solche Schale, sie solle jene für England noch übertreffen. Cantian verspricht ein Stück, das größer und herrlicher sei als die antike Porphyrschale aus dem goldenen Haus Neros. Porphyr ist ein Hartgestein.
Die Granitschale im Berliner Lustgarten, 1831
Die Söhne des Künstlers
Bei den beiden Knaben handelt es sich um die Söhne Hummels, die in Begleitung ihrer Cousine die Schale bestaunen. Bewundernswert ist die täuschende Wiedergabe der feinen Körnung des Gesteins. Durch die Wahl des Blickwinkels scheint die riesenhaft wirkende Schale über die Traufhöhe der Architektur von Dom und Schloss am Lustgarten hinauszuwachsen.
Die Granitschale im Berliner Lustgarten, 1831
Gemäldezyklus zur Berliner Granitschale
1832 präsentiert Johann Erdmann Hummel auf der Berliner Kunstausstellung einen dreiteiligen Gemäldezyklus. Er ist einer damals herausragenden ingenieurtechnischen Leistung gewidmet: dem Schleifen und Wenden der großen Granitschale sowie ihrer Aufstellung im Lustgarten vor dem Alten Museum.
Die Granitschale im Berliner Lustgarten, 1831
Professor für Architektur, Perspektive und Optik
Der aus Kassel stammende Maler, Zeichner und Wissenschaftler Johann Erdmann Hummel hält sich ab 1800 für über 50 Jahre in Berlin auf. 1809 wird er als Lehrer für Architektur, Perspektive und Optik an die Kunstakademie berufen. Durch seine Lehrtätigkeit und Forschungen, aber auch durch die Publikation von Lehrbüchern beeinflusst er maßgeblich nachfolgende Künstlergenerationen.