Öl auf Leinwand
80 × 68,4 cm
Copyright Werk: Estate of James Rosenquist/ VG
Bild-Kunst, Bonn 2020
Copyright Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
Untitled (Joan Crawford says...), 1964
Joan Crawford says...
Mit seinen oft monumentalen, aus Motivfragmenten komponierten Gemälden zählt James Rosenquist zu den bedeutendsten Vertretern der amerikanischen Pop-Art. Seine Motive findet der Künstler zumeist in der Welt der Werbung
Untitled (Joan Crawford says...), 1964
Scheinwelt der Werbung
Rosenquist nimmt eine Werbung für Zigaretten aus einer Zeitschrift als Vorlage und überträgt sie auf die Leinwand. Er kritisiert so die gängige Praxis, dass Prominente für Produkte werben. Einer der größten weiblichen Hollywoodstars wird zur Werbeikone – und hat auf dem Bild, das der Künstler von ihr malt, nichts mehr zu sagen.
Untitled (Joan Crawford says...), 1964
Mechanismen der Werbung
Versatzstücke aus der Bilderflut von Konsumalltag und Werbung dienen in irritierend neuen Zusammenhängen als Vorlage für das Werk des Künstlers. Indem er die vertraute Werbung für Zigaretten nur ausschnitthaft verkürzt zeigt und dem Filmstar die Worte streicht, legt er die plumpen Mechanismen der Werbung offen. Was bleibt ist der Eindruck einer makellosen Oberflächlichkeit.
Untitled (Joan Crawford says...), 1964
Kein Porträt
Das Bildnis ist das Gegenteil eines Porträts: eine farbige Reklamezeichnung liefert die Vorlage. Die äußerlichen Merkmale der Crawford sind hier überspitzt dargestellt. Ihre Augen sind weit aufgerissen, die Augenbrauen rasiert, das Lächeln routiniert. Wofür der Filmstar Werbung macht, ist nicht ganz klar. Man ahnt es allerdings, denn die Zigarette am Bildrand ist gerade noch zu erkennen. Weil das Gemälde kein Porträt ist, erzählt es mehr über die Mechanismen der Medien und Werbeindustrie, die Menschen in Abziehbilder verwandelt.
Untitled (Joan Crawford says...), 1964
Reklamemaler
Während seines Kunststudiums in New York in den 1950er Jahren arbeitet Rosenquist als Reklamemaler am Broadway. Er verleiht Salami-Werbung, politischen Parolen und haushohen Whiskyflaschen Gestalt. Dort oben wandelt sich sein Verhältnis zur Wirklichkeit: Das Leben auf der Straße wirkt ameisenhaft, die überdimensionierte Malerei jedoch zum Greifen nah.
Untitled (Joan Crawford says...), 1964
Schöner Schein
Die Gestaltungsmethode des „Blow up“, des „Aufblasens“ von Fotos und Schriftarten ins Überdimensionale übernehmen viele Pop-Art-Künstler von Boulevardzeitungen und Werbetafeln. So bekommen scheinbar banale Gegenstände plötzlich Gewicht. Doch Rosenquists Kunst ist nicht banal: das Motiv rückt dem Betrachter so nah, dass er sich ein Bild von der Wirklichkeit hinter dem schönen Schein machen kann.