
Mischtechnik auf Buchenholz
37,7 x 24,5 max. 0,5 cm
© Städel Museum / Foto: Städel Museum
Venus, 1532
Göttliche Verlockung
Grazile Arme und Beine – Hüfte und Bauch leicht gerundet. Venus ist in der Renaissance en vogue, ihre Figur Schönheitsideal. Lucas Cranach d. Ältere, ein Freund Martin Luthers, malt die antike Göttin gleich mehrfach. Das Spezielle an dem kleinformatigen Bild, es zeigt die Gestalt der Venus ganz ohne Mythos. Sie wird hier nicht von Amor begleitet. Das macht die Göttin zur irdischen Figur und damit besonders verführerisch.
Venus, 1532
Für den privaten Gebrauch?
Ein perlenbesetztes Netz bändigt die rotblonde Haarpacht – auch der Halsschmuck der Venus scheint wertvoll. Von welchem Stand die Nackte ist, ist unklar. Das Bild hat vielmehr sinnbildlichen Charakter und die Unbekannte steht für die weibliche Verführungskraft per se. Kaum größer als ein handliches Buch, wurde es vermutlich für eine private Kammer gemalt.
Venus, 1532
Geheimnisvoller Schleier
Ein zarter Schleier umspielt die Scham der Venus. Der Maler lenkt unseren Blick damit gezielt auf ihren Intimbereich. Steht der Schleier gar für das Liebesband der Venus? Damit kettet sie den besiegten Mars später an ihren Thron. Die zarte Fessel symbolisiert in der antiken Mythologie den Grundkonflikt zwischen Venus und Mars – also zwischen Liebe und Krieg.
Venus, 1532
Sehr freizügig
Nackte Menschen auf Bildern sind für uns heute völlig normal. Im frühen 16. Jahrhundert gilt das nördlich der Alpen jedoch noch als obszön. Lucas Cranach der Ältere nutzt daher einen geschickten Trick. Er versetzt seine Venus in einen sinnbildhaft anderen Raum. Das Gemälde soll zum Nachdenken anregen und ein Nachempfinden der Thematik „Frauenmacht und Verführbarkeit“ spürbar machen.
Venus, 1532
Geflügeltes Zeichen
Wie ein stolzer Drache! Die Signatur des Künstlers ist eine gekrönte Schlange. Sie hat Fledermausflügel und trägt im Maul einen goldenen Rubinring. Cranach bekommt 1508 dieses Markenzeichen von seinem Dienstherrn, Friedrich der Weise, verliehen und führt es seitdem in seinem Familienwappen. Damit betont Cranach seine privilegierte Stellung.