
Öl auf Leinwand
108,5 x 172,5 cm
© Staatsgalerie Stuttgart / Foto: Staatsgalerie Stuttgart
Mittagsgebet bei der Ernte, 1861
Das Gelobte Land
Bei der weiten Landschaft handelt sich um das Tal der Ammer, ein Nebenfluss des Neckars. In der Tiefe sind die Ausläufer der Schwäbischen Alb zu erkennen. Schüz findet das Setting für sein Hauptwerk an den Orten seiner Kindheit und Jugend. Dort entstehen zahllose Skizzen der Örtlichkeiten und ihrer Bewohner. Aus ihnen baut der Maler dann in seinem Münchner Atelier diese Komposition zusammen.
Mittagsgebet bei der Ernte, 1861
Eine schwäbische Madonna
Die Verbindung von Landschaftsmalerei, bäuerlichem Genregemälde und biblischem Bekenntnisbild bringt es mit sich, dass Personen und Gegenstände mehrfache Bedeutungen haben. Die Mutter der betenden Familie ist eine Repräsentantin der in der Malerei des 19. Jahrhunderts außerordentlich beliebten Landbevölkerung. Zugleich ist sie eine Verkörperung der Gottesmutter Maria sowie der christlichen Tugend der Nächstenliebe, die stets mit hilfsbedürftigen Kindern dargestellt wird.
Mittagsgebet bei der Ernte, 1861
Das Lamm Gottes
Zu den mehrfach mit Bedeutung belegten Bildgegenständen gehören auch das Lämmchen und die auf einer Decke ausgebreiteten Speisen und Getränke. Das Jungtier steht für das Lamm Gottes, eine neutestamentliche Metapher für Christus und seinen Opfertod. Die Nahrungsmittel lösen die im Psalmvers auf dem Rahmen verheißene Sättigung der Gläubigen ein.
Mittagsgebet bei der Ernte, 1861
Erst die Arbeit
Die Bauernfamilie hat sich im Sonntagsstaat im Schatten des Apfelbaums zum Gebet niedergelassen. So wird die Sphäre der religiösen Praxis deutlich von jener der harten Arbeit abgegrenzt, welche die auf der anderen Seite des Baumes rastenden Erntehelfer erledigen. Einer hat seinen Strohhut abgenommen, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen. Der im Psalm in Aussicht gestellten Sättigung geht harte körperliche Arbeit voraus.
Mittagsgebet bei der Ernte, 1861
Die Vögel des Himmels
Auf einem Feld sind Erntehelfer damit beschäftigt, das reife Getreide abzuschneiden und zu bündeln. Eine Gruppe von Saatkrähen hält sich in ihrer Nähe auf. Einige Vögel scheinen sich schon Ähren gesichert zu haben und fliegen davon. Zweifellos stehen sie für die im Neuen Testament erwähnten Vögel des Himmels: „Sehet die Vögel des Himmels an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen, euer himmlischer Vater ernährt sie“.
Mittagsgebet bei der Ernte, 1861
Der fromme Rahmen
Auf dem Bildrahmen sind Bibelverse zu lesen: „Es wartet alles auf Dich, dass Du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Wenn Du ihnen gibst, so sammeln sie, wenn Du deine Hand aufthust, werden sie mit Gut gesättiget“. Das Gebet der Bauernfamilie bekommt so eine liturgische Dimension.